Das war sie, unsere Lesung zum Frauentag mit Traudi Schlitt: Weiteratmen. Überleben in irren Zeiten

Zweimal volles Haus: Traudi Schlitt las zum Frauentag in der Buchhandlung Lesenswert

ALSFELD (pm). „Überleben in irren Zeiten“ – unter diesem Motto hatten die Autorin Traudi Schlitt und die Buchhändlerinnen Barbara Möser und Johanna Mildner am Wochenende zu einer Lesung im Rahmen der Vogelsberger Frauenwoche in die Buchhandlung Lesezeichen eingeladen. Gleich zweimal, denn der Andrang war groß. Und so hörten sowohl am Samstagabend als auch am Sonntagmorgen knapp fünfzig Frauen (und ein Mann), was die umtriebige Kolumnistin im Lauf der Zeit, insbesondere des vergangenen Jahres, so über Frauenleben im Allgemeinen und im Besonderen gesammelt hatte.

Schlitt startete mit einem Blick auf gesellschaftliche Phänomene: Ein Rückblick auf die Entwicklung der Stellung der Frau in der Gesellschaft seit Bestehen der Republik verdeutlichte: Es gibt Fortschritte, wenn auch kleine. So sei der Gender Pay Gap in Deutschland seit ihrer ersten diesbezüglichen Kolumne vor zehn Jahren um fünf Prozent gesunken: „Wenn das in diesem rasanten Tempo voranschreitet, kann ich mit neunzig Jahren auf meiner Frauentagslesung diesen Punkt streichen“, blickte sie erfreut in die Zukunft. Gegenwärtig, so machte sie klar, sehen Frauen sich immer noch vielen Anfeindungen und auch sexualisierte Gewalt oder Gewaltandrohung ausgesetzt. Als aktuelle Beispiele zitierte sie übelste verbale Drohungen gegen Politikerinnen und andere Prominente und den Fall Julian Reichelt. Abseits der großen Öffentlichkeit seien Belästigungen ebenfalls vielerorts noch an der Tagesordnung, so Schlitt: Rechte, antifeministische Männerbünde bedrohten Frauen ebenso selbstverständlich wie Männer, die ungefragt Penisbilder verschickten oder Frauen sexuelle Anspielungen nachriefen.

Nach diesen ernsten Themen kam die Kolumnistin jedoch auf die „schönen bis wahnsinnig schönen Seiten“ des Frauenlebens zu sprechen. Von den Möglichkeiten der Filterfunktion bei Fotos über die Fallstricke beim Autofahren sprach Schlitt ebenso offen wie über ihre Sammelwut, was Halsketten, Handtaschen, Postkarten und Bücher betrifft. Zum „Überleben in irren Zeiten“ hatte sie zahlreiche Tipps mitgebracht, der beste: Gute Freundinnen, feste Bindungen. Daneben könnten, so Schlitt, spezielle Hunde- und Katzenpuzzles für Entspannung sorgen oder ein neuer Trend aus Holland: das Niksen. Zum Abschluss ihrer Lesung stellte Traudi Schlitt ihren Zuhörerinnen noch zwei besondere Frauen vor und löste auf ganz fantastische Weise das Geheimnis um die Handtasche der Queen.

Die Frauen zeigten sich allesamt sehr angetan von den launigen zwei Stunden im Buchladen: Info, Unterhaltung, Zeit zum Stöbern und ein Glas Prosecco hatten ihnen die Zeit gut vertrieben, befanden sie, und gingen inspiriert in die weitere Frauenwoche.